
Römer und Germanen am Baugebiet Hafner
LANDKREIS KONSTANZ – Die Kreisarchäologie hat im künftigen Stadtquartier „Nördlicher Hafner“ in Konstanz-Wollmatingen Siedlungsspuren aus mehreren Epochen entdeckt. Erste Grabungen zeigen, dass dort schon vor rund 1.600 Jahren Gehöfte standen.
Seit 2024 untersucht die Kreisarchäologie des Landratsamtes Konstanz das in Konstanz-Wollmatingen neu entstehende Stadtquartier „Nördlicher Hafner“. Auf brach liegenden Ackerflächen wurden dafür jeweils im Frühjahr und Herbst systematisch archäologische Baggerschürfen angelegt. Ziel ist es, bislang unbekannte Fundstellen in künftigen Bauflächen früh zu erkennen, Ausgrabungen rechtzeitig einzuleiten und damit Verzögerungen zu vermeiden.
Mehr als 13 Hektar Gelände haben Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald und sein Kollege Björn Schleicher inzwischen geprüft. Hinzu kamen geophysikalische Messungen auf ausgewählten Verdachtsflächen. Außerdem suchten vom Landesamt für Denkmalpflege zertifizierte Metallsondengeher die Ackerflächen ab.
Die Sondierungen brachten mehrere Siedlungsstellen aus der Bronze- und Eisenzeit, dem 2. und 1. Jahrtausend vor Christus, ans Licht. Zudem wurde im Gewann „Muren“ eine römische Siedlungsstelle entdeckt. Der Gewannname weist auf alte „Mauern“ hin, die von früheren Siedlern stammen könnten.
Mit den beginnenden Bauarbeiten für den neuen Anschluss des künftigen Baugebiets an die L 221 wurden im nordwestlichen Teil des Hafnergebiets nun erste archäologische Flächengrabungen notwendig. Im Mai und Juni 2026 wurden bereits vor Baubeginn die Voruntersuchung der Fläche entlang der L 221 sowie an der alten Dettinger Landstraße durchgeführt. Auf der rund 2.500 Quadratmeter großen Grabungsfläche dokumentierten die Fachleute alte Besiedlungsspuren. Erdverfärbungen von Fundamentgruben früherer Hauspfosten zeigen, dass hier einst ein bis zwei Gehöfte standen. Typische Pfostengrundrisse belegen mindestens zwei Speichergebäude und mindestens ein weiteres Gebäude. Auch ein sogenanntes Grubenhaus dürfte zu einem solchen Bauernhof gehört haben.
Überlagerungen deuten darauf hin, dass diese in den Boden eingetiefte Hütte mehrfach erneuert wurde. Sie wurde möglicherweise für Webarbeiten und die Textilproduktion genutzt. Aus dem Grubenhaus bargen die Archäologen Tierknochen, einen Spinnwirtel und Scherben von Tongefäßen. Darunter sind auch Fragmente von „Terra Sigillata“, einem hochwertigen römischen Speisegeschirr aus einer Töpferei in Rheinzabern in Rheinland-Pfalz. Weitere Scherben gehören zu einfachen Gefäßen, die vermutlich im 3. bis 5. Jahrhundert nach Christus getöpfert wurden.
Diese erste zeitliche Einschätzung passt zu römischen Bronzemünzen, die bei Sondenbegehungen in diesem Geländeabschnitt gefunden wurden. Sie wurden überwiegend im 4. Jahrhundert nach Christus geprägt.
„Funde einer ländlichen Siedlung aus dem 4. bis 5. Jahrhundert sind selten. Die Römer hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Hegau an den Rhein und den Bodensee zurückgezogen, wo sie stark befestigte Kastelle, wie etwa in Konstanz, errichteten“, erklärt Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald. „Die Frage, ob es sich bei den Siedlern am Hafner bereits um erste von den Römern geduldete Germanen handelte, lässt sich bei dem derzeitigen Auswertungsstand allerdings noch nicht abschließend beantworten“, so Hald weiter.
Die Bauarbeiten für den Anschluss an die L 221 konnten pünktlich beginnen. Weitere Ausgrabungen werden im Zuge der fortschreitenden Erschließung notwendig.