450 Menschen setzen gemeinsam ein Zeichen gegen Einsamkeit

LANDKREIS KONSTANZ – Rund 450 Menschen informierten sich am Freitag, 16. Oktober 2026, bei der Veranstaltung „Be kind to your mind – gemeinsam statt einsam“ im Milchwerk Radolfzell über die gesund­heit­lichen Folgen von Einsamkeit und Möglichkeiten für mehr soziale Teil­habe. Vorträge, Workshops und regionale Angebote vermittelten wissen­schaftliche Erkenntnisse und gaben konkrete Impulse für ein stärkeres Miteinander.

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer und Moderator Tobias Bücklein auf der Bühne
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer (rechts) im Gespräch mit Moderator Tobias Bücklein. In seinem Vortrag zeigte Spitzer Wege auf, Einsamkeit entgegenzuwirken – unter anderem durch Musik, Sport, Kunst, gemeinsame Aktivitäten und Zeit in der Natur. Bildnachweis: Landratsamt Konstanz

Wie wirkt sich Einsamkeit auf die Gesundheit aus? Warum können sich Menschen trotz vieler Kontakte einsam fühlen? Und was stärkt Begegnung und soziale Verbundenheit? Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung und beleuchtete Einsamkeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Gesund­heitsamt des Landkreises Konstanz brachte dafür gemeinsam mit regionalen und grenzüberschreitenden Partnern Fachpersonen, Engagierte und Interessierte zusammen.
 
Einen Einblick in die gesundheitlichen Auswirkungen von Einsamkeit gab Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer in seinem Vortrag „Einsamkeit – medizinisch, wissenschaftlich betrachtet“. Der Psychiater und Neurowissenschaftler zeigte, wie eng soziale Verbundenheit und Gesundheit zusammenhängen. Er machte zudem deutlich, dass Einsamkeit und soziale Isolation nicht gleich­zusetzen sind. Menschen können allein leben und sich dennoch verbunden fühlen. Umgekehrt können sie sich auch inmitten anderer einsam erleben.
 
Dr. Eva Häfele widmete sich unter dem Titel „Viele Kontakte – trotzdem alleine“ der Einsamkeit bei Jugendlichen. Die Sozialwissenschaftlerin zeigte, welche Herausforderungen besonders in Übergangsphasen des Lebens entstehen können. Digitale Kontakte ersetzen persönliche Begegnungen nicht immer. Junge Menschen brauchen verlässliche Anlaufstellen und Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe.
 
Neben den wissenschaftlichen Impulsen bot die Veranstaltung Gelegenheit, konkrete Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen. In vier Workshops be­schäftigten sich die Teilnehmenden mit Einsamkeit in einer vernetzten Welt, gemeinschaftlichen Aktivitäten, psychischer Belastung und Ein­sam­keit in der Arbeitswelt sowie mit Mental Load, Selbstfürsorge und Resilienz.
 
Der „Markt der Möglichkeiten“ machte regionale Unterstützungs- und Begegnungsangebote sichtbar. Organisationen und Einrichtungen zeigten, wo Menschen Kontakte knüpfen, sich engagieren oder Unterstützung finden können.
 
Einen besonderen Zugang zum Thema eröffnete das „Theater aus dem Schatten“, ein Projekt der Tafel im Landkreis Konstanz e. V. Die Mit­wir­kenden setzen sich im Improvisationstheater mit Alltagserfahrungen aus­einander und machen Themen wie soziale Teilhabe, Nachbarschaftshilfe und Selbsthilfe auf der Bühne erlebbar.
 
Die Veranstaltung verdeutlichte: Einsamkeit kann Menschen jeden Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen betreffen. Umso wichtiger sind Begegnungsräume, gemeinschaftliche Aktivitäten und ein Umfeld, das soziale Teilhabe ermöglicht.
 
Das grenzüberschreitende Veranstaltungsformat wurde in enger Zusam­men­arbeit mit dem Amt der Vorarlberger Landesregierung, dem Jugend­kreis­rat Landkreis Konstanz, dem Kreisseniorenrat Landkreis Konstanz, der Senioren Plattform Bodensee sowie dem Zentrum für Psychiatrie Reichenau um­gesetzt. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung im Rahmen des Interreg-ABH-Programms durch die Internationale Bodenseekonferenz (IBK).