Bahnsteighöhe: Landrat Hämmerle appelliert an den Bund

Landrat Frank Hämmerle (links) und Bundestagsabgeordneter Andreas Jung demonstrieren den Höhenunterschied von 21 Zentimetern bei einer Umsetzung der in der EBO vorgeschriebenen 76 Zentimetern.Foto: Landratsamt Konstanz

Landrat Frank Hämmerle setzt sich für den Erhalt der bisherigen Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern in der Region ein. Das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur hat angekündigt, die in der Eisenbahnbundesordnung (EBO) festgelegte Regelhöhe für Bahnsteige mit 76 Zentimetern über Schienenoberkante (SO) einheitlich umsetzen zu wollen.
Gemeinsam mit den Kreisräten Helmut Kennerknecht (CDU), Artur Ostermaier (Freie Wähler) und Claus-Dieter Hirt (Grüne) sowie Bürgermeister Stefan Friedrich hat sich der Landrat am Mittwoch, 9. Mai 2018 mit dem Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) am Bahnhof in Allensbach getroffen, um das Thema vor Ort zu erörtern.

Da in Baden-Württemberg und in der Region die meisten Bahnsteige des Nahverkehrs über eine Höhe von maximal 55 Zentimetern verfügen und Züge mit entsprechender Einstiegshöhe eingesetzt werden, wäre eine Umsetzung der Regelhöhe von 76 Zentimetern mit erheblichen Folgekosten und Nachteilen hinsichtlich der Barrierefreiheit verbunden. „Es kann nicht sein, dass hier, wo der Beton erst frisch getrocknet ist, neue Baumaßnahmen erforderlich werden“, so Landrat Frank Hämmerle.

Kreisrat Helmut Kennerknecht informierte darüber, dass in den meisten europäischen Ländern eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern gegeben sei.

„Ich kann nachvollziehen, dass der Bund eine einheitliche Bahnsteighöhe umsetzen möchte. Deren Höhe muss jedoch zu den eingesetzten Fahrzeugen und zum angewandten Maß im europäischen Ausland passen. Ich erwarte deshalb, dass es bei uns in der Region bei 55 Zentimetern bleibt“, erklärte Hämmerle.

„Es wäre ein Schildbürgerstreich, jetzt neue Barrieren aufzubauen, nachdem wir über Jahre mit vielen Mitteln die Bahnhöfe saniert haben und diese endlich teilweise barrierefrei sind. Das kann nicht sein und deshalb darf das nicht kommen“, betonte der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung. Das habe er auch in Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und an den Bahnvorstand deutlich gemacht und er stehe bereits im Austausch mit dem Ministerium und der Bahnzentrale in Berlin. "Ich habe von dort die Signale, dass wir pragmatische Lösungen vor Ort finden werden, die dazu führen, die Barrierefreiheit zu erhalten und nicht neue Hürden aufzubauen“, so Jung. Jetzt gelte es an dem Thema dran zu bleiben, um die entstandene Verunsicherung "vom Tisch" zu bekommen. 

Setzen sich gemeinsam für eine Beibehaltung der Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern ein: (v. links) Landrat Frank Hämmerle, Kreisrat Helmut Kennerknecht (CDU), Bundestagsabgeordneter Andreas Jung (CDU), Kreisrat Artur Ostermaier (Freie Wähler), der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich und Kreisrat Claus-Dieter Hirt (Grüne).Foto: Landratsamt Konstanz

Hintergrund:
Die Regelhöhe von 76 Zentimetern über SO steht bereits seit vielen Jahren in der EBO, sie wurde aber bisher nicht umgesetzt. So wurde beispielsweise in den 90er-Jahren in Baden-Württemberg die Entscheidung getroffen, im Nahverkehr auf 55 Zentimeter Bahnsteig- und Fahrzeughöhe zu gehen. Dies entspricht auch der üblichen Höhe im Nahverkehr, während 76 Zentimeter eine Höhe des Fernverkehrs ist. Fernverkehrszüge sind aufgrund des Zustiegs über Stufen grundsätzlich auch bei 76 Zentimetern Bahnsteighöhe nicht barrierefrei.

Das Land Baden-Württemberg hat gerade in großem Umfang neue Nahverkehrszüge mit 55 Zentimetern angeschafft. Auch wären bei einer Umsetzung der Regelhöhe derzeit 41 Prozent der Haltepunkte in Baden-Württemberg, deren Bahnsteige noch 38 Zentimetern oder niedriger sind, gar nicht mehr bedienbar und müssten vorrangig ausgebaut werden.