Rechtsextremismus im Internet

Veranstaltung für Lehrkräfte aller Schularten

Di, 28.04.2015, 14:30-17.00 Uhr

Landratsamt Konstanz, Benediktinerplatz 1, kl. Sitzungssaal (1.OG)

Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Rechtsextreme sind auch im Netz 2.0 aktiv. In Communities und auf Sharing-Plattformen aller Art kommen sie mit Jugendlichen in Kontakt.
Und das so leicht, wie sonst nirgendwo. Wo sich heute die Kommunikation junger Leute abspielt, bei Facebook, auf YouTube oder beim Twittern, da sind Rechtsradikale aller Schattierungen, und zwar mittendrin.
Aber auch mit herkömmlichen Webseiten betreiben Rechtsradikale weiterhin ihre Agitation. Jugendschutz.net    zählt in seinem 2014 veröffentlichten Bericht zum Rechtsextremismus online 2013 5.507 Websites, die von neonazistischen Kameradschaften, der rechtsextremistischen NPD,  rechtsextremen Versandhändlern und der rechtsextremen Musikszene betrieben worden sind. Dabei sind es vor allem die sozialen Netzwerke, über die der moderne Rechtsextremismus Jugendliche gewinnen wollen. Ca. 70 % Prozent der rechtsextremen Internetseiten waren 2013 Seiten die diesem Web 2.0 zugerechnet werden können.

Soziale Netzwerke als strategisch wichtigster Kommunikationsraum für Rechtsextremisten

Hier können sie vor allem junge Leute für ihre Szeneereignisse mobilisieren, Jugendliche direkt ansprechen und ihre Hetzpropaganda ungeniert betreiben.  Dabei sind es vor allem die bei Heranwachsenden beliebten Plattformen Facebook und YouTube, aber auch die anderen Dienste mit wachsender Konjunktur wie Twitter, Tumblr und VK werden zur Mobilisierung genutzt. Für Jugendliche ist hier eine Konfrontation mit Beiträgen, die zum Hass anstacheln, leicht gegeben. Und auch auf den mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets haben die Rechtsextremen längst Fuß gefasst. Immer häufiger haben sie schon ihre Angebote menschenverachtender Ideologie für die mobile Nutzung optimiert. So werden beispielsweise der „Nationale Aktionsplaner" oder Schriften wie „Mein Kampf" über Apps zugänglich gemacht.

Sharen und Liken: Immense Reichweite rechtsextremer Propaganda

Die Reichweite rechtsextremer Propaganda über das Internet hat sich durch neue Kommunikationspraktiken um ein Vielfaches erhöht. Vorbei scheinen die Zeiten, wo Rechtsextreme mit Flugblättern auf und vor den Schulhöfen erschienen sind, um unter den jungen Leuten für sich und ihre Ideologie zu werben. Denn die neuen Kommunikationspraktiken sind demgegenüber viel "effizienter". Das  Prinzip des Teilens und gegenseitigen Verknüpfens von Beiträgen führt häufig dazu, dass rechtsextreme Inhalte tausende Zugriffe oder „Gefällt-mir"-Bekundungen erhalten. 
Und:  Der rechtsextreme Kontext ist häufig so verschleiert, dass viele User nicht erkennen können, wer sich hier als "Wolf im Schafspelz" getarnt an sich heranmacht. Anleihen aus jugendkulturellen Phänomenen, Themen aus der Lebenswelt und aktuelle Netztrends sind oft die Türöffner, mit denen sich Rechtsextreme bei jungen Leuten Gehör verschaffen, ohne dass diese zunächst wissen, mit wem sie es zu tun haben. Die Mechanismen von Kontaktanbahnung und -Intensivierung sind dabei selbst von Erwachsenen nicht ohne weiteres zu durchschauen, für Jugendliche, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind und erst dabei sind, sich ein politisches Weltbild zu schaffen, ist das - ohne Unterstützung - fast nicht machbar.

Politische Bildung und Medienbildung gegen den Rechtsextremismus als Aufgabe der Lehrkräfte

"Im Schulunterricht", ist in der Broschüre "Rechtsextremismus hat viele Gesichter" von klicksafe.de zu lesen, "kann es daher nicht mehr genügen, Nationalsozialismus nur im historischen Kontext zu behandeln. Gerade weil rechtsextreme Methoden so subtil sind, so allgegenwärtige und so (scheinbar) jugendnah, müssen wir Jugendlichen ein Instrumentarium vermitteln, mit dem sie entsprechende Inhalte erkennen und die dahinterstehenden Botschaften enttarnen können. Dies kann im Geschichtsunterricht, im Politik-, Sozialkunde- und Gemeinschaftskundeunterricht ebenso geschehen wie im Ethikunterricht. Erst, wenn dieser Unterricht außerdem die Zivilcourage vermittelt, auf der Basis demokratischer Werte dem Rechtsextremismus entgegenzutreten, läuft die rechtsextreme Meinungsmache ins Leere."
Politische Bildung und Medienbildung müssen, wenn solche Konzepte Erfolg haben sollen, in besonders enger Weise Hand in Hand arbeiten. Und: Medienbildung und Gewaltpräventions- und Demokratiekonzepte in der Schule muss schon bei den Jüngsten in der Grundschule beginnen. Wer im Kampf gegen den Rechtsextremismus Erfolg haben will, muss natürlich auf vielen Ebenen ansetzen. Aber: Politische Kompetenz und Medienkompetenz schon frühzeitig zu vermitteln gehört in jedem Fall dazu.
Für die Schule und die Lehrkräfte bedeutet dies aber auch, ihre eigene Medienkompetenz weiterzuentwickeln und ihre medienpädagogische Kompetenz zu professionalieren.

Die Veranstaltung "Rechtsextremismus im Internet" wird sich mit diesen Fragen befassen und ausreichend Gelegenheit geben, darüber miteinander ins Gespräch zu kommen.

Leitung: Gert Egle, OStR, Leiter des Kreismedienzentrums Konstanz