Schutzbrief gegen weibliche Genitalbeschneidung (FGM)

Stapel Schutzbriefe
Bildunterschrift: Der Schutzbrief gegen weibliche Genitalbeschneidung ist in Passgröße gedruckt und soll zusammen mit den Reiseunterlagen transportiert werden. Dadurch haben die betroffenen Frauen den Schutzbrief immer griffbereit und sind sensibilisiert.
 
Bildnachweis: Landkreis Konstanz

Laut Schätzungen der WHO sind weltweit etwa zwei Millionen Frauen und Mädchen in über 70 Ländern aufgrund einer sogenannten traditionellen Praxis von Genitalverstümmelung bedroht. Auch in Deutschland leben betroffene Frauen und Mädchen: Schätzungsweise 9000 Mädchen sind in Deutschland von FGM bedroht. Die damit einhergehenden physischen und psychischen Folgen sind fatal für junge Mädchen und Frauen. Juristisch betrachtet, verstößt die Genitalverstümmelung sowohl gegen deutsches als auch gegen internationales Recht und ist in Deutschland strafbar, auch wenn der Ort des Geschehens im Ausland liegt.

Ein gemeinsam von den Städten Singen, Konstanz, Radolfzell und dem Landkreis Konstanz neu gestalteter Schutzbrief soll dazu beitragen, gegen die Praxis der Genitalverstümmelung vorzugehen und betroffene Frauen vor dem Eingriff zu schützen.  Der Schutzbrief weist auf die Strafbarkeit in Deutschland und im Ausland hin. Er ist in Passgröße gedruckt und soll zusammen mit den Reiseunterlagen transportiert werden. Dadurch haben die betroffenen Frauen den Schutzbrief immer griffbereit und sind sensibilisiert. Frauen können, wenn sie auf Heimat¬besuch sind, diesen Schutzbrief vorzeigen. Eltern können sich durch den Hinweis auf die rechtlichen Folgen dem sozialen Druck im Heimatland entziehen und idealerweise so die generationenübergreifende Kette von Traumatisierungen durch Genitalverstümmelung durchbrechen.

„Wir konnten mit den Städten Singen, Radolfzell und Konstanz Kooperationspartnerinnen beim Thema FGM gewinnen, 2019 haben erste Fortbildungen für Fachpersonal zu diesem Thema stattgefunden, für 2021 haben wir gemeinsam mit dem Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz eine Fortbildung für medizinisches Fachpersonal geplant“, so Petra Martin-Schweizer, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Konstanz. „Die Stadt Singen unterstützt die Schutzbriefe, weil sie Frauen und Familien in der Diskussion um die Beschneidung ihrer Mädchen stark entlasten und ihnen starke Argumente gegen die Beschneidung in die Hand geben,“ so Ute Seifried, Bürgermeisterin der Stadt Singen. „Die Stadt Radolfzell unterstützt die Schutzbriefe, damit die weibliche Genitalverstümmelung und das dadurch ausgelöste lebenslange Leiden vieler Mädchen und Frauen in dieser Welt endlich aufhört“, so Monika Laule, Bürgermeisterin der Stadt Radolfzell. „Auch die Stadt Konstanz engagiert sich für die Rechte der von FGM betroffenen Frauen und will mit dem Schutzbrief ein Zeichen gegen diese menschenrechtsverletzende Praxis setzen“, so die Leiterin der Chancengleichheitsstelle der Stadt Konstanz Julika Funk und Sozialbürgermeister Dr. Andreas Osner.

Bis zum Jahresende ist der Schutzbrief auch in leichter Sprache erhältlich. Der Schutzbrief wird in den nächsten Tagen an verschiedene Fachstellen im Landkreis Konstanz versandt und dort ausgegeben.

Weitere Informationen

  • Nähere Informationen zum Thema oder zu den Ausgabestellen gibt es beim Landratsamt unter gleichstellung@LRAKN.de
  • Fachliche Details und Hinweise zu Literatur und Dokumentationen zum Thema FGM gibt es auf der Seite von Terre des Femmes Deutschland unter www.frauenrechte.de
  • Fragen beantwortet auch das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 24 Stunden täglich in 17 Sprachen unter 08000116016.