Mast und Vermarktungspotential von Bio-Kälbern

Kühe im Stall
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In der Bio-Musterregion Bodensee sollen nun Bio-Kälber aus der Milchviehhaltung regional gemästet und als Bio-Rind vermarktet werden. Im Rahmen einer Online-Veranstaltung, organisiert von der Bio-Musterregion zusammen mit den Öko-Verbänden Demeter, Bioland und Naturland, trafen sich vergangenen Donnerstag virtuell Bio-Milchvieh-, Ammenkuh-, und Mastbetriebe aus der Region als auch Fachberater, Vertreter von Forschungsinstituten sowie Mitstreiter der Interessensgemeinschaft „kuhgebundene Kälberaufzucht“.

Die aktuelle Sensibilität der Verbraucher für das Thema Tierwohl, das Überdenken des Fleischkonsums sowie der hohe Stellenwert funktionie­render regionaler Lieferketten in der Corona-Pandemie sind eine Chance für die Vermarktung von Bio-Rindfleisch in der Region. Der Schlachthof in Überlingen ist dabei ein wichtiger Partner.

Aus Sicht des Verbrauchers gehört das Kalb in den ersten Wochen zur Mutter. Deswegen werden, da wo es baulich möglich ist, immer mehr Kälber aus der Milchviehhaltung kuhgebunden aufgezogen. Aus wirt­schaftlicher und ethischer Sicht geht die Tendenz zur Ausmast von Kälbern als Weideochsen. Laut den von der Interessensgemeinschaft „kuhge­bundene Kälberaufzucht“ erarbeiteten Kriterien sollte ein Kalb frühestens nach drei Wochen in einen Ammenkuhbetrieb wechseln und dort an der Amme bis zum Alter von 90 Tagen getränkt werden. Eine gut geregelte Kooperation zwischen den Milchviehbetrieben und den Ammenkuhbetrieben ist dabei essentiell.

Neben sehr informativen und anregenden Beiträgen von Fachberatern der mitveranstaltenden Öko-Verbänden sowie vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau Schweiz kamen Praktiker aus der Region zu Wort. Die beiden ersten Partner des Projekts der Bio-Musterregion, Pfister und Schuhmacher, ließen die Teilnehmer an ihren bisherigen Kooperationser­fahrungen teilhaben. Durch die Arbeitsteilung habe sich die Situation auf beiden Betrieben entspannt: Dem Milchviehbetrieb bleiben nur noch ein paar Kälber im Jahr zur direkten Vermarktung, während sich im Ammen­kuhbetrieb die intensive Zeit der ersten Aufzuchtwochen reduziert und damit auch die verbundenen gesundheitlichen Herausforderungen. Die Kooperation ist für beide ein Erfolg.

Die Erzeuger wünschen sich nun die Unterstützung des Handels, um für ihr qualitativ hochwertiges Bio-Rindfleisch angemessene Preise zu erzielen. Für den Handel ist ein gemeinsamer Nenner der Fleischqualität sehr wichtig. Um den Kunden vom Bio-Rindfleisch der Region zu überzeugen, sollte ein einheitliches und regelmäßiges Qualitätssystem gefunden werden.

Im Nachgang der Veranstaltung wird nun ein runder Tisch von der Bio-Musterregion ins Leben gerufen mit dem Ziel, mit interessierten regionalen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette konkrete Lösungen gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen.

Für mehr Informationen steht Lucile Huguet, Regionalmanagerin der Bio-Musterregion Bodensee, per Mail an lucile.huguet@LRAKN.de zur Verfügung.