Kreisarchäologie: Rätselhafter Skelettfund in Steißlingen

Drei Personen in einer Baugrube um ein Skelett versammelt
(v.l.n.r.) Der ehrenamtliche Beauftrage der Landesdenkmalpflege Dr. Herman Schmid, Bürgermeister Benjamin Mors und Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald mit dem freigelegten Skelett in einer Baugrube in Steißlingen. Vermutlich wurde hier im späten Mittelalter ein Leichnam hastig verscharrt.
Bildnachweis: Landratsamt Konstanz

Ein Skelett, das am Montag, 20. Juli 2020, bei Bauarbeiten in Steißlingen zum Vorschein kam, gibt noch Rätsel auf. Archäologische Funde deuten auf eine Sonderbestattung des Mittelalters hin.

Der Baggerfahrer hatte ein gutes Auge. Denn beim Aushub einer Baugrube in der Kehlhofgartenstraße in Steißlingen fielen ihm in den dunklen Erdschichten einige helle Knochensplitter auf. Sie stammten von einem menschlichen Schädel. Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald vom Landratsamt Konstanz wurde sofort telefonisch informiert. Der Kreisarchäologe konnte bestätigen, dass es sich um menschliche Skelettreste handelte und leitet eine sogenannte Notgrabung ein, um die menschlichen Gebeine schnell freizulegen und zu dokumentieren.

Grabungstechniker Björn Schleicher und der ehrenamtliche Beauftragte der Landesdenkmalpflege Dr. Herman Schmid legten daraufhin die menschlichen Überreste frei. Beim sorgfältigen Abtrag der Erdschichten zeigte sich, dass das gut erhaltene Skelett in einer großen mit dunkler Erde verfüllten Grube lag, die sich deutlich von dem hellen sandigen Untergrund abzeichnete. Überraschenderweise lag das Skelett jedoch nicht sorgfältig in West-Ost-Richtung auf dem Rücken liegend, wie man es beispielsweise von regulären christlichen Bestattungen kennt. Der Leichnam lag auf dem Bauch auf dem abgeknickten rechten Arm. Auch das abgeknickte linke Bein weist auf eine sorglose, rasche Beseitigung des toten Körpers in einer Abfallgrube hin, die auch Ziegelfragmente, einzelne Keramikscherben und Tierknochen-fragmente enthielt.

„Vermutlich handelt es sich um eine erwachsene Frau, die jedoch noch jünger als 25 Jahre war, wie Spuren am Skelett zeigen“, erläutert Hald. „Diese erste Einschätzung muss allerdings noch vom Anthropologen des Landesamtes für Denkmalpflege überprüft werden“. Dorthin werden die Knochen nun zur weiteren Analyse gebracht. Da sich in der Baugrube keine weiteren Skelettfunde feststellen ließen, handelt es sich um einen Einzelfund. „Auch dies spricht für eine irreguläre Sonderbestattung außerhalb eines normalen Friedhofs oder Gräberfelds“, sagte Hald, der ähnliche verscharrte Tote in letzter Zeit an einer frühneuzeitlichen Richtstätte in Allensbach ausgegraben hat. Beim Skelett fand sich noch eine einfache, stark korrodierte Eisenschnalle.

Die Funde aus der Grube gehören nach einer ersten Einschätzung in das späte Mittelalter des 13.-14. Jahrhunderts. Ob es sich bei dem oder der Toten um ein Verbrechens-, Kriegs- oder Seuchenopfer handelt, lässt sich derzeit nicht genauer einschätzen. Auch Bürgermeister Benjamin Mors machte sich vor Ort ein Bild von den Fundumständen und der raschen Fundbergung, die nur einen Tag dauerte. Währenddessen konnten die Bauarbeiten planmäßig weitergehen, so dass für das Bauprojekt keine Verzögerungen entstanden.