Information des Kreisforstamtes zur aktuellen Waldschutz- und Holzmarktlage

Weg durch sonnigen, grünen Laubwald
Foto: Anneros Troll

Waldschutzinformation

Aufgrund der Trockenjahre 2018 und 2019 sowie der Stürme im Februar 2020 ist zu erwarten, dass die Waldschutzsituation in 2020 wieder sehr kritisch werden wird. Nach den aktuellen Beobachtungen sind die Borkenkäfer sehr gut durch die Wintermonate gekommen.

Es ist daher mit einem sehr frühzeitigen Schwärmflug der Käfer zu rechnen. Besonders befallsgefährdet ist dabei das frische Sturmholz aus dem Februar 2020. Weiterhin stellen die angerissenen, offenen Bestandesränder ein „gefundenes Fressen" für die Käfer dar. In dieser für den Waldbesitz ohnehin schon sehr kritischen Lage, brechen die Holzmärkte aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen des Wirtschaftslebens nahezu vollständig weg.

Holzmarkt

Viele Sägewerke reduzieren ihren Einschnitt drastisch, beziehungsweise einzelne Werke haben die Produktion schon komplett eingestellt. Die Verunsicherung am Markt ist sehr groß, weshalb viele Sägewerke bis auf weiteres den Ankauf von Rundholz aussetzen. Aufgrund der momentanen Lage kann eine Vermarktung von Nadelstammholz durch das Kreisforstamt nicht mehr zugesichert werden. Es ist zu erwarten, dass dieses Jahr nicht alles anfallende Holz verkauft werden kann. Soweit Holz vermarktet werden kann, ist ferner damit zu rechnen, dass dies nur zu schlechten und nicht immer kostendeckenden Preisen möglich sein wird.

Arbeitskapazität

Ein weiteres Problem wird 2020 die fehlende Arbeitskapazität im Wald sein. Insbesondere die Aufarbeitung von Sturmholz ist aufgrund der damit verbundenen Risiken Profiarbeit. Keinesfalls sollte man hierbei ein Risiko eingehen. Sturmholzaufarbeitung erfordert sehr viel Erfahrung und sollte nur mit maschineller Unterstützung erfolgen.

Aufgrund der Corona-Krise haben heimische Forstunternehmer das Problem, dass die osteuropäischen Mitarbeiter, auf die sie vielfach zwingend angewiesen sind, in ihre Heimatländer zurückkehren und damit auf unbestimmte Zeit nicht zur Verfügung stehen.

In dieser auch für die Forstwirtschaft sehr schwierigen und in dieser Form einmaligen Situation, ist es daher sehr wichtig, Prioritäten zu setzen und die beschränkte Arbeitskapazität auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren.

Empfehlung

Zur Entlastung des Holzmarktes sollte die Aufarbeitung von nicht mehr fängischem Holz unterbleiben, das heißt rindennackte Stämme stehenlassen, wenn dies aus Gründen der Verkehrssicherheit möglich ist. Wenn sie eingeschlagen werden, ist aktuell einzig die Verwertung als Brennholz sinnvoll möglich. Die Verwertung als Palettenholz scheidet aufgrund der zurzeit wegbrechenden Exportmärkte aus.

Einzelliegende Kleinmengen unter 15 Fm werden ebenfalls nicht zu vermarkten sein. Auch hier ist die Verwertung als Energieholz zu prüfen, beziehungsweise ist das Holz gegebenenfalls zusammen mit benachbarten Waldbesitzern zu größeren Einheiten zu bündeln.

Aus Gründen des Waldschutzes müssen sich jetzt alle mit ganzer Kraft auf die Aufarbeitung des durch Sturm angefallenen Nadelholzes konzentrieren. Diese sollte bis Ende April abgeschlossen werden. Laubholz kann demgegenüber am Stock hängend problemlos bis in den Herbst liegen bleiben.

Für die Aufarbeitung des Nadelholzes wird folgendes Vorgehen empfohlen:
• Sturmhölzer, die in schattigen, gut wasserversorgten Lagen angefallen sind und noch am Wurzelstock hängen, sollten zunächst liegen bleiben (Lebendkonservierung).
• Sturmhölzer im Bereich von vorjährigen Käferlöchern sind vorrangig aufzuarbeiten. Hier ist zu prüfen, ob eine Entrindung möglich ist. Ist dies nicht möglich, bleibt als einzige Waldschutzmaßnahme die gezielte Behandlung des Holzes mit zugelassenen Insektiziden an der Waldstraße. Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zum Gewässerschutz und die Anwendungsvorschriften zwingend zu beachten.
• Kronenholz, Resthölzer, unverwertbare, aber noch fängische Hölzer, sollten unabhängig von der Verwertung gehackt werden.
 
Es ist davon auszugehen, dass nach derzeitigem Stand auch in diesem Jahr wieder Fördermittel für Aufarbeitung von Schadhölzern und Waldschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für die Wiederaufforstung von Schadflächen. Details hierzu sind bei Bedarf im Rahmen einer direkten, kostenfreien Beratung zu besprechen.

Wenn Sie zu den vorstehenden Themen Fragen haben, wenden Sie sich bitte zunächst an den örtlichen Revierleiter, aus gegebenem Anlass bitte per Mail oder Telefon.