Frauen Stärken – Ein Projekt zieht Halbzeitbilanz

vier Frauen nebeneinander
(v.l.n.r.) Bianka Neußer (Selbstbehauptungstrainerin), Petra Martin-Schweizer (Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis), Ines Muskalla und Sandra Nicolaus (beide Caritasverband Singen-Hegau) erarbeiten ein Konzept, das Mädchen und Frauen mit Behinderung vor Gewalt schützen soll.
Bildnachweis: Caritasverband Singen-Hegau

Der Caritasverband Singen-Hegau und der Landkreis Konstanz entwickeln ein gemeinsames Konzept, das Mädchen und Frauen mit Behinderung vor Gewalt schützen soll.

Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben zwei- bis dreimal häufiger Gewalt als Frauen und Mädchen ohne Behinderung. Der Caritasverband Singen-Hegau und der Landkreis Konstanz haben sich im September 2021 dazu entschlossen, mit dem gemeinsamen Projekt „Frauen stärken“ aktiv dagegen vorzugehen. Frauen mit psychischer Belastung oder Behinderung sind in den Entwicklungsprozess eingebunden. Das Kooperationsprojekt hat mehrere Säulen: Ein Präventions- und Schutzkonzept erarbeiten, Hilfsange­bote sprachlich und räumlich barrierefrei gestalten, Frauen in Selbstbe­hauptungskursen stärken und betreuende Personen und Mitarbeitende in Einrichtungen zum Thema schulen.

Petra Martin-Schweizer, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis und Mit­initiatorin, koordiniert mit Sandra Nicolaus vom Caritasverband Singen-Hegau das Projekt. Sandra Nicolaus zieht Halbzeitbilanz: „Dieses kooperati­ve Projekt des Caritasverbandes Singen und des Landkreises Konstanz zeigt auf, wie wichtig ein Präventions- und Gewaltschutzkonzept für den Land­kreis Konstanz ist. Es ist eine der zentralen Handlungsleitlinien, um Frauen und Mädchen mit Behinderung zu schützen und sie zu stärken. Es darf aber kein einmaliges Projekt bleiben, sondern es bedarf einer Verfestigung des Erlernten bei Fachkräften, Angehörigen und den Frauen und Mädchen mit Behinderung.“

Ingrid Laible aus dem Büro für Leichte Sprache des Caritasverbands Singen-Hegau erläutert die Bedeutung der Sprache für die Teilhabe am Alltag: „Mit dem Projekt „Frauen stärken“ möchten wir Frauen eine Stimme geben – buchstäblich. Die übliche Sprache lässt viele Menschen sprachlos zurück, sie ist oft kompliziert und ausschweifend. Im Projekt achten wir auf Leichte Sprache. Die Frauen können Informationen selbständig lesen, sie hören Leichte Sprache und verstehen, worum es geht. Das ermöglicht ihnen, ihre Erfahrungen mitzuteilen – sich mitteilen zu können ist ein Weg aus der Gewalt.“

Bianka Neußer, Selbstbehauptungstrainerin, schult seit vielen Jahren Mädchen und Frauen in der Stärkung ihres Selbstbewusstseins und ist immer wieder über den Veränderungsprozess bei den Teilnehmerinnen während der Kurse begeistert: „Sie lernen, ihrem Umfeld Grenzen zu setzen, auch „Nein“ zu sagen und sie wissen, sie sind nicht alleine. Sie dürfen sich Hilfe holen und sie werden ernst genommen.“ Die Kurse werden sehr gut nachgefragt, sodass schon jetzt mehr Kurse als zu Beginn geplant organisiert werden müssen.

Im März 2023 endet die Projektlaufzeit und das Präventions- und Schutzkonzept wird der Öffentlichkeit und den Fachstellen präsentiert.