Bio-Musterregion Bodensee – was ist das?

Zwei Personen stehen im Kornfeld
Das Regionalmanagement der Bio-Musterregion Bodensee, Lucille Huguet und Rainer Grimminger.
Bildnachweis: Landratsamt Konstanz

„Mehr Bio aus der Region für die Region“ –  Hierfür steht die Bio-Musterregion Bodensee. Die Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten im Bio-Sektor – von der Erzeugung, über die Verarbeitung, bis hin zur Vermarktung, Außer-Haus-Verpflegung, Steigerung der Nachfrage von Verbraucherinnen und Verbrauchern – ist das Ziel der Bio-Musterregion. Das Regionalmanagement soll hierbei mit Projekten, Vernetzung der Akteure und der Öffentlichkeitsarbeit tatkräftig unterstützen.

Nachdem die zwei Landkreise Landkreis Konstanz und Bodenseekreis als eine der vier ersten Bio-Musterregionen Baden-Württembergs im Januar 2018 ausgewählt wurden, konnte Rainer Grimminger als Regionalmanager zum Jahresbeginn 2019 seine Arbeit aufnehmen. Ihm ist es wichtig, die steigende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln mit einem möglichst großen Anteil aus der Region zu bedienen. Und das ist kein Selbstläufer, da die regionalen Akteure in der Regel klein strukturiert sind und vom bäuerlichen Gemischtbetrieb über die mittelständische Brauerei oder Mühle bis hin zum Biogroßhandel wie BODAN GmbH oder Rinklin Naturkost GmbH reichen. Seit dem Auftakt der Bio-Musterregion Bodensee werden gemeinsam Ideen entwickelt, um regionales „Bio“ entlang kurzer Wertschöpfungsketten voranzubringen.

Projektumsetzung, -entwicklung und -abschluss werden von einer elfköpfigen Lenkungsgruppe begleitet, die sich aus Vertretern der Landwirtschaftsämter Stockach und Friedrichshafen, dem ILE-Verein als regionalem Mitvernetzer, den Öko-Verbänden, den Bauernverbänden sowie den regionalen Wertschöpfungsketten-Akteuren zusammensetzt.

Wie entwickelt sich der biologische Anbau in der Bio-Musterregion?

Der Ökolandbau hat in der Bio-Musterregion im baden-württembergischen Vergleich stärker zugenommen und ist dadurch von hoher Bedeutung. „Allein von 2018 bis 2020 stellten rund 30 weitere landwirtschaftliche Betriebe auf den Ökolandbau um“, so Reinhard Schulze, Amtsleiter vom Landwirtschaftsamt in Stockach, zu dem das Regionalmanagement der Bio-Musterregion Bodensee gehört. Die von der Biomusterregion unterstützten Projekte verteilen sich gleichermaßen auf den Landkreis Konstanz und den Bodenseekreis. Deswegen arbeitet das Regionalmanage-ment eng mit dem Landwirtschaftsamt des Bodenseekreises zusammen.

Es wirtschaften nun rund 280 landwirtschaftliche Betriebe und damit elf Prozent ökologisch. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche beträgt aktuell circa 14 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Im Landesdurchschnitt wirtschaften im Vergleich circa neun Prozent der Betriebe auf circa elf Prozent der Fläche ökologisch. Die Festigung regionaler Wertschöpfungsketten und die Entwicklung neuer Absatzmärkte dank der Bio-Musterregion werden sicher einen Anreiz dafür bilden, dass landwirtschaftlichen Betrieben die Entscheidung zur Umstellung leichter fällt. Zudem begünstigt der Tourismus und die hohe Kaufkraft am Bodensee den Absatz aus neuen und regionalen Wertschöpfungsketten.

Rainer Grimminger setzte zuerst auf die Ideen, die beim Kennenlernen der Akteure und Landwirte aufkamen. Einige dieser Projektideen wurden dann als inhaltlich und zeitlich umsetzbar herausgehoben. Gestartet wurde mit der Projektidee „Bio-Mühlenkonzept entwickeln – Druschfrüchte gemeinsam lagern und vermarkten“. Daraus entstand innerhalb eines Jahres das „Hegaukorn“. Über 100 Tonnen werden in diesem Jahr als Braugerstenmalz in der Region zu Bier gebraut werden. Ein weiteres Produkt ist Dinkelmehl aus dem Hegau. Die fortlaufende Kontaktaufnahme zu Bäckern, dem Lebensmitteleinzelhandel und zur Gastronomie zeichnen Erfolge. Seit Mai 2020 trägt Lucile Huguet als neue Kraft das Regionalmanagement der Bio-Musterregion mit.

Welche zukünftigen Projekte sind in Planung?

„Wir kommen an mehr Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung nicht vorbei, wenn wir die Ziele des Landes mit über 30 Prozent Bio im Jahr 2030 erreichen wollen“, sagt Hildegard Schwarz, Referatsleiterin für Hauswirtschaft und Ernährung am Landwirtschaftsamt in Stockach. Fakt ist, dass ein erheblicher Anteil der Lebensmittel nicht mehr zuhause, sondern in Kantinen oder in der Gastronomie konsumiert wird. Diesen Aspekt wird das Regionalmanagement der Bio-Musterregion Bodensee nun angehen.

Lebensmittel aus Pflanzen, aber auch tierische Nahrungsmittel, werden in der Region erzeugt. In einem Projekt geht es daher auch um die Förderung tiergerechter Haltung, wie zum Beispiel, dass Kälber länger bei den Kühen bleiben können. Ein weiteres Anliegen ist, dass männliche Kälber von milchbetonten Rinderrassen vermehrt hier vor Ort gehalten und geschlachtet werden, um lange Transporte in andere Regionen zu vermeiden. Das gute Miteinander der Akteure ist weiter zu entwickeln, sodass der Verkaufspreis die Produktions- und Verarbeitungskosten deckt.

Wie und warum wird die Bio-Musterregion gefördert?

Das Land Baden-Württemberg trägt bis zu 75 Prozent der Personalkosten und auch einen Großteil von sogenannten Aktivierungskosten für Informationsmaterial. Der Landkreis Konstanz und der Bodenseekreis tragen in Kooperation die weiteren Kosten. Das Projekt läuft zunächst noch bis Ende 2021. Für Rainer Grimminger ist klar, die Arbeit geht ihm und Lucile Huguet nicht so schnell aus. Denn noch lückenhafte regionale Wertschöpfungsketten bieten ein großes Tätigkeitsfeld für die Bio-Musterregion Bodensee. Neben der Unterstützung der regionalen biologischen Landwirtschaft wird sehr viel Wert auf den kollegialen Austausch zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft gelegt.

Weitere Informationen:

www.biomusterregionen-bw.de