Archäologische Untersuchungen in Stockach-Wahlwies

Drei Personen vor einer Augrabung
Grabungsleiter Joachim Kitzberger, Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald und Konstantin Ruther (v. l.) an einer freigelegten Abfallgrube der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) in Stockach-Wahlwies. Darin kamen zahlreiche Scherben von Tongefäßen zum Vorschein Bildnachweis: Benjamin Herbst, Archaeotask GmbH

Seit 22. Februar 2021 wird eine etwa 1,3 Hektar große Baufläche für ein großes Gewächshaus bei Stockach-Wahlwies archäologisch untersucht. Dabei konnten bislang etwa 550 Einzelfundstellen in dem Grabungsbereich entdeckt und dokumentiert werden.

Seit 22. Februar 2021 wird eine etwa 1,3 Hektar große Baufläche für ein großes Gewächshaus bei Stockach-Wahlwies archäologisch untersucht. Mit den Ausgrabungsarbeiten wurde die Fachfirma Archaeotask GmbH unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Kreisarchäologie des Landratsamtes Konstanz und des Landesamtes für Denkmalpflege betraut. Die Fundstelle liegt siedlungsgünstig inmitten fruchtbarer Ackerböden an einem flachen Hang oberhalb der Stockacher Aach. „Wenn so gute prähistorische Siedlungsbedingungen vorliegen, gehen bei uns alle Alarmglocken für mögliche archäologische Siedlungsfunde an“, sagte Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald.

Probegrabungen der Kreisarchäologie im Herbst 2020 hatten daraufhin auch prompt den Nachweis von Fundstellen in dem Baugebiet ergeben. Bei den laufenden archäologischen Untersuchungen konnten bislang etwa 550 Einzelfundstellen in dem Grabungsbereich entdeckt und dokumentiert werden. Es handelt sich dabei überwiegend um Verfärbungen einstiger Fundamentgruben für Pfosten von Häusern, die aus einem Pfostengerüst mit Flechtwerkwänden bestanden. „Die Mehrzahl der Siedlungsbefunde dürfte anhand der aufgefunden Keramikscherben in die mittlere bis späte Bronzezeit gehören, also etwa in das 17. bis 13. Jahrhundert v. Chr.. Damit haben wir die bisher ältesten Siedlungsfunde von Wahlwies entdeckt“, erläuterte Hald.

Aus dem Gewirr der zahlreichen Pfostengruben lassen sich bereits erste Hausgrundrisse ablesen. Vermutlich handelt es sich um mehrere Hofstellen einer mehrphasigen bronzezeitlichen Siedlung, die im Baugelände angeschnitten wurde. Erst die spätere Detailauswertung der erstellen archäologischen Pläne wird dann weitere Aussagen zur Struktur des kleinen etwas 3500 Jahre alten Dorfes erlauben. Einige Gruben mit Resten von römischen Dachziegeln deuten auch auf Aktivitäten von römischen Siedlern hin, deren Gutshof aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. nicht weit entfernt im heutigen Dorfkern von Wahlwies lag.

Zwischen den vorgeschichtlichen Siedlungsresten kam zudem eine rechteckige, 95 Meter lange und 32 Meter breite Grabenstruktur zutage. Sie ist zeitlich viel jünger. Zu den wenigen Funden aus dem etwa 1 Meter breiten Graben gehört eine kleine 11,65 Gramm schwere Bleikugel. Das Kaliber des Geschosses (Durchmesser 12,7 mm) passt zu während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) üblichen Pistolen. Ob die Grabenanlage womöglich mit den in Schriftquellen überlieferten Plünderungen und Kriegshandlungen um Wahlwies während des Dreißigjährigen Krieges zusammenhängt, lässt sich allerdings noch nicht abschließend beurteilen.

Die archäologischen Ausgrabungen, die für die Ortsgeschichte von Wahlwies zahlreiche neue Erkenntnisse ergeben haben, werden voraussichtlich Anfang Mai beendet.