Archäologische Ausgrabung in Beuren an der Aach

zwei Personen bei einer Ausgrabung
Die Grabungsmitarbeiter Heiko Gisinger und Davide Rossini (von rechts) beim Freilegen einer Grubenhütte aus dem Mittelalter (12./13. Jh. n. Chr.) in Beuren an der Aach.
Bildnachweis: Landratsamt Konstanz

Derzeit werden im künftigen Neubaugebiet „Engener Straße“ in Beuren an der Aach archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Untersucht werden Reste einer mittelalterlichen Siedlung, die bislang unbekannt war. Die Fundstelle wurde bei Routinevoruntersu­chungen der Kreisarchäologie des Landratsamtes Konstanz am 17. und 18. August 2021 entdeckt.

Archäologische Baggerschürfe der Kreisarchäologie sind inzwischen ein Standardvorgehen auch in Plangebieten, in denen bisher keine archäo­logischen Fundstellen bekannt sind. Hierdurch sollen frühzeitig bisher unbekannte archäologische Fundstellen entdeckt werden, um rechtzeitig Ausgrabungen einleiten zu können und damit Verzögerungen der Erschlie­ßung zu vermeiden.

In Beuren an der Aach wird daher die archäologische Untersuchung der Erschließungstrassen vor dem geplanten Erschließungsbeginn (Ende Juli/Anfang August 2022) durchgeführt. Insgesamt wurden circa 7500 Quadratmeter Fläche untersucht. Die Erschließungstrassen sind bereits abgearbeitet. Inzwischen werden die betroffenen Baufenster ausgegraben. Die Ausgrabungen werden von der Grabungsfirma E&B excav GbR aus Freiburg durchgeführt. Örtlicher Grabungsleiter ist Benjamin Hamm. Die Stadt Singen trägt die Kosten. Der Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald betreut den Gesamtvorgang von der Planung bis Abschluss der Grabungen fachlich und wissenschaftlich in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Stadt Singen.

Die Erschließungsarbeiten können pünktlich beginnen und die historischen Informationen, die sonst unwiederbringlich verloren wären, sind gesichert. Damit wurde auch Planungssicherheit für die Stadt Singen und die ausfüh­renden Planer und Firmen erreicht.

Bisherige Kenntnisse zur Entstehung des Dorfes Beuren an der Aach:
Circa 800 Meter nördlich des Ortes stieß man 1933 beim Sandgraben im Gewann „Breite“ an der Straße nach Volkertshausen auf zwei west-ost-ausgerichte Skelette ohne Beigaben. Angeblich sind an diesem Platz bereits in den 1890er Jahren Schwerter und Lanzen gefunden worden. Möglicher­weise handelt es sich hierbei um Funde aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeld des 6. bis 8. Jahrhunderts n. Chr. Aufgrund der großen Entfer­nung zu Beuren ist jedoch fraglich, ob es sich hierbei um das Ortsgräberfeld handelt. Frühmittelalterliche Siedlungsfunde sind aus Beuren bisher nicht bekannt.

Die erste sichere urkundliche Nennung des Ortes als „Burron“ ist datiert in das Jahr 1228 auf einer Urkunde des St. Galler Abtes Konrad von Bussnang, in der Güter des Diethelm von Friedingen-Krähen in Beuren an das Kloster Salem gehen. Vermutlich gehörte das Dorf zum Besitz des Klosters Reiche­nau. Die Vogtei war zu unbekannter Zeit an die Herren von Möggingen ge­kommen, die Mitte des 14. Jahrhunderts hier sesshaft waren. 1392 lag die Niedergerichtsherrschaft bei den Herren von Friedingen. Danach kam es zu mehrfachem Besitzwechsel. Ende des 17. Jahrhunderts umfasste der Ort 23 Häuser. Die Landeshoheit lag bei der Landgrafschaft Nellenburg. Mit dieser gelangte Beuren 1806 für wenige Jahre an Württemberg und gehörte zum Kreis Rottweil. Ab 1810 ging Beuren an Baden und damit ins Oberamt und späteren Kreis Stockach. 1972 erfolgte die Eingemeindung nach Singen.

Grabungsergebnisse:
Es wurden über 500 Einzelfundstellen untersucht. Meist handelt es sich dabei um Verfärbungen von Fundamentgruben von Pfosten, aus welchen die Häuser errichtet wurden. Es konnten auch mehrere Grundrisse von stattlichen Häusern von bis zu 15 mal 6,5 Meter Fläche vollständig erfasst werden. Insgesamt lassen sich mindestens drei verschiedene Hofstellen erkennen. Es handelt sich dabei um einzelnstehende landwirtschaftliche Gehöfte mit Pfostenhäusern und sogenannten Grubenhäusern, in denen handwerkliche Tätigkeiten verrichtet wurden. Das aus Keramikscherben und Tierknochenfragmenten bestehende Fundmaterial ist spärlich. Die wenigen Scherben mit datierbaren Verzierungselementen oder technischen Merkmalen gehören in das 12. und 13. Jhd. n. Chr. und damit in die Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes oder ein- bis zwei Generationen davor.

„Es dürfte sich hierbei um eine der Keimzellen, aus denen sich das heutige Dorf Beuren heraus entwickelt hat, handeln“, so Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald bei der Erläuterung der Grabungsergebnisse. „Der wissen­schaftliche Ertrag dieser Ausgrabung ist insgesamt sehr gut. Großflächige Einblicke in die Binnenstruktur von hochmittelalterlichen ländlichen Sied­lungen sind nicht allzu häufig, da die alten Siedlungskerne heute meist längst überbaut sind“, führt Hald weiter aus. Ähnliche Siedlungsbefunde sind beispielsweise auch aus dem Gewerbegebiet Killwies-Bütze bei Hilzingen oder aus dem Hilzinger Ortsteil Duchtlingen bekannt.

Unklar ist noch die Wasserversorgung des Weilers, da die Entfernung bis zur Radolfzeller Aach über 400 m beträgt. Möglicherweise gab es auch Brunnen in den Siedlungsteilen, die außerhalb des Erschließungsgebiets liegen.

Voraussichtlicher Abschluss der Grabungen ist Ende Juli 2022.