„Wir schaffen Chancen!“ – Geflüchtete in Unternehmen der Region

Von links: Samin Mehrens, Rania Alshaer (beide Pro Seniore Residenz Radolfzell), Berivan Moslem, Jan Vollmar, Lisa Kostrzewa (beide IHK), Pirmin Mohr und Tesfayouhanes Mulue.
Foto: Landratsamt Konstanz

Viele Unternehmen setzen sich derzeit mit der Integration von Flüchtlingen in den Betriebsalltag auseinander. Unter dem Motto „Wir schaffen Chancen!“ haben die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK), die Handwerkskammer Konstanz (HWK), der Landkreis Konstanz, das Jobcenter, die Bundesagentur für Arbeit, die Stadt Engen und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Dienstag 21. November 2017 gemeinsam eine Veranstaltung im Katholischen Gemeindezentrum in Engen organisiert. Ziel war es, den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, gezielt Fragen zu stellen und weitreichende Informationen zu erlangen.

Durch das Programm führte Monika Brumm vom Amt für Migration und Integration des Landratsamtes. Nach einem kurzen Impulsvortrag der Integrationsbeauftragten des Landkreises Konstanz, Barbara Singler, erläuterte Marina Mauch (HWK) den rechtlichen Hintergrund. Claudia Walschburger (Agentur für Arbeit) und Tanja Günthert (Jobcenter Landkreis Konstanz) stellten die Fördermöglichkeiten vor.

Auf den theoretischen Teil des Abends folgte eine Gesprächsrunde mit regionalen Unternehmern, die bereits eine geflüchtete Person in Ausbildung oder Beschäftigung haben. Moderiert wurde das Gespräch von Lisa Kostrzewa (IHK).

Die 44-jährige Rania Alshaer aus Syrien arbeitet bei der Pro Seniore Residenz in Radolfzell und möchte dort eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen. Residenzleiter Samin Mehrens stellte in diesem Zusammenhang sein neues Konzept zur Entlastung der Pflegekräfte vor. Alshaer übernimmt aktuell überwiegend hauswirtschaftliche Aufgaben. Sie pflegt die Bewohner, indem sie beispielsweise das Bett macht oder frisches Wasser bringt und unterstützt dadurch die Pflegekräfte. Mehrens wies darauf hin, dass die Achtung im Team und der Senioren gegenüber der Syrerin sehr hoch sei und auch keiner damit ein Problem habe, dass sie bei der Arbeit ihr Kopftuch trage.

Jan Vollmar, Projektleiter zur Integration junger Flüchtlinge bei der IHK, sprach gemeinsam mit der jungen Syrerin Berivan Moslem, über die Möglichkeit einer Einstiegsqualifizierung. Die 21-Jährige absolviert diese aktuell bei der IHK und kann aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen voraussichtlich nächstes Jahr direkt in das zweite Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Büromanagement einsteigen.

Tesfayouhanes Mulue aus Eritrea ist bei der P. Mohr GbR – Bauschreinerei-Holzbau in Engen-Welschingen als Helfer angestellt und besucht nebenher die Schreinerschule. Daran anschließend möchte der 23-Jährige im nächsten Jahr eine Ausbildung zum Zimmerer beginnen. Auf die Frage, mit welcher Motivation er den jungen Eritreer unterstütze, antwortete Inhaber Pirmin Mohr, dass ihn der Anblick eines Flüchtlings-Auffanglagers während seines Urlaubs in Albanien darin bestärkt habe, selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen zu wollen.

„So individuell diese Menschen und die vorgestellten Geschichten sind, sind auch die Wege, welche in die Ausbildung führen sollen. Geeint werden alle durch den Wunsch, in Deutschland Sicherheit und Stabilität im Leben durch eine berufliche Perspektive zu erlangen. Möglich ist dies nur, wenn Unternehmen geflüchteten Personen die Chance geben, ihre Fähigkeiten und ihren Willen unter Beweis zu stellen“, fasste Jan Vollmar zusammen.

Den Appell an die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer, Zuwanderern aus anderen Kulturkreisen eine berufliche Chance zu geben, nahm Monika Brumm in ihrem Schlusswort auf: „Wir sind auf dem Weg – wenn wir es schaffen, Geflüchteten eine berufliche Zukunft zu bieten, wird unser Land am Ende gewinnen.“